Sonntag, 11. Oktober 2015

Hingekritzelte Notizen


Hola und Servus, macht es euch gemütlich für eine weitere Portion Anekdötchen von über dem Ozean.
Probe für den grossen Auftritt - manchmal nervenaufreibend
DAS Event vergangene Woche: Die Tanzaufführung der Pimpfe. Nicht etwa in einer ranzigen Turnhalle, nein, im Kolisseum in Anwesenheit des örtlichen Fernseh- und Radiosenders hüpften die Minis umher. Was wochenlang mehr oder weniger erfolgreich geübt wurde, gipfelte in einer eindrucksvollen Show mit aufwendigen Kostümen und Frisuren. Der Star des Abends war Anton, der als Co-Vortänzer die Herzen der Zuschauer eroberte. Ich dagegen war völlig überfordert mit dem Anrichten und Verkaufen von Wackelpudding. Zu später Stunde entwickelte sich diese dunkelpinke Wabbelpampe zum knappen Gut, und ich wurde plötzlich von allen Seiten mit Befehlen angeschrien. Umso grösser die Freude, als uns danach eröffnet wurde, wir hätten nun eine Woche Ferien. Zurzeit finden nämlich Sportwettkämpfe in Comarapa statt, zu denen SchülerInnen des ganzen Departaments anreisen. Das hat zur Folge, dass unser beschauliches Bergnest von über 6000 Jugendlichen invadiert wurde, die mitsamt ihren Matratzen einen Schlafplatz suchten. Die Hinterher-Pfeif-Frequenz erhöhte sich dadurch um ein Vielfaches.


Minions, Schweinchen etc.
So sitze ich – wer hätte es gedacht? – mal wieder in Santa Cruz und lasse mich vom täglich wechselnden Wetter überraschen.  Gestern war eigentlich Gartenarbeit in Majas Projekt für alle Freiwilligen geplant, doch diese nette Tätigkeit fiel buchstäblich ins Wasser. Maja und ich buken (heisst das ernsthaft so? :D) einen Zopf (eigentlich verbrannten wir ihn eher) und bummelten über den Alasitas, einen Miniaturmarkt. Zu Allerheiligen (03.November) legt man den Verstorbenen hier winzige Gegenstände aufs Grab, die Wünsche verkörpern. Das kann vom Häuschen (Eigenheim) über Geldscheine (Reichtum) bis zu Schweinchen und Bierfläschchen alles sein. Apropos Tod: Gestern hätten wir einer unserer Mitfreiwilligen, Jana, fast einen Herzinfarkt beschert, als wir auf ihrer Überraschungsparty hinter der Hauswand hervorsprangen.

Babies, Verkehrsleitkegel: Alles fürs Grab
Um ehrlich zu sein, ist mir ein kleiner Herzinfarkt ab und zu lieber als die Dauernarkose in Comarapa. Ich muss langsam echt Streichhölzer zwischen meine Augenlider klemmen, um einigermassen wach auszusehen. Coca-Kauen hilft leidlich dagegen. Anmerkung: Kauen ist irreführend; tatsächlich stopft man sich das Grünzeug in die Backentasche und wartet. Na gut, dann gehe ich jetzt wohl eine dicke Freundschaft mit meinem Bett ein. Viele verpennte Grüsse und einen wunderbaren Herbst (den vermisse ich wirklich) von einer Caro, die gerade ein wenig neidisch auf die neben ihr schlummernde Maja ist.
P.S.: Wusstet ihr, dass das Wort "Poltergeist" in der englischen Sprache existiert?