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Keine Angst

Angst ist kein guter Berater. Sie wird uns raten, zu bleiben, wo wir sind und ja nichts zu wagen. Auch wenn ein Wagnis oder eine Veränderung uns frei und froh machen würde.  Angst ist keine gute Motivation. Etwas nur zu tun aus Furcht vor Bestrafung, Abwertung oder anderen unangenehmen Konsequenzen verleidet uns nicht nur die Tätigkeit, sondern richtet sie auf ein einziges Ziel aus. So sehen wir nicht die potenziellen positiven (Neben)Effekte: Freude am Tun, Stolz, Lernen.  Angst hält uns klein. Wir begehren nicht auf oder sagen unsere Meinung, wenn wir fürchten, dafür getadelt oder abgewertet zu werden. Das verhindert, für unsere Meinung respektiert zu werden, und manchmal schon die Meinungsbildung selbst.  Angst beschneidet unsere Kreativität. Wir denken nicht frei, außerhalb des Rahmens. Schade eigentlich. Was wäre aus Frida Kahlo geworden, hätte sie sich nicht zugestanden, frei zu denken?   Angst sieht Probleme oder schafft sie. Angst vor Nicht-Gefallen beei...
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Füreinander da sein

Wie wäre es, wenn du, anstatt den Kummer runterzuschlucken, eine:n Freund:in anrufst? Du sagst, du möchtest dich nicht aufdrängen. Wahrscheinlich ist dein:e Freund:in gern für dich da. Aber selbst wenn er/sie gerade lieber in der Badewanne läge, als dir zuzuhören - im Großen und Ganzen bist du der Person vermutlich wichtiger als ein paar Liter warmes Wasser.  Ich wünsche mir, dass Freundschaften ebenso ein Ort des Aufgehobenseins und des Anlehnens sind wie romantische Beziehungen. Dass wir so für unsere Freund:innen da sind, dass sie das Gefühl haben, jederzeit zu uns kommen zu können. Dass es selbstverständlich wird, sich jederzeit bei dem/der Freund:in zu melden und auf der Matte stehen zu können.  Netzwerke der Solidarität nennen es Linke, Füreinander Sorge Tragen nenne ich es. Das Ohr auch dann öffnen, wenn uns gerade selbst viel im Oberstübchen rumschwirrt. Nicht nur, weil wir uns das offene Ohr auch selbst irgendwann wünschen, sondern, weil wir Verantwortung für unsere F...

Kreise

Das alles kommt mir verdächtig vertraut vor. Moment - hier war ich doch schon mal. Hin und wieder finde ich mich in der gleichen (nicht selben, auch wenn es so scheint) Situation vor, in der ich schon 3299 mal war. Habe ich denn nichts gelernt?  Doch. Aber ich hab es nicht angewendet. Oder bin in eine Falle getappt. Oder es hat nicht geholfen oder zumindest nicht genug. Die weise Umschreibung hierfür: Das Leben ist eine Spirale. Wir kommen immer wieder an ähnlichen Stellen vorbei. Ach guck, das kenne ich doch. Aber bei jeder Umdrehung schrauben wir uns ein kleines Stück höher. Wir stehen nicht wieder an genau derselben Stelle, sondern haben eine dünne Schicht Erfahrung aufgetragen, auf der wir - nicht stabil, aber immerhin - stehen.  Es scheint also, was ich weiß und was ich lerne reicht immer nur bis zur nächsten Kurve. Dann komme ich ja doch wieder am Stopp-Schild vorbei. Stopp - Obacht!, schreit es mir entgegen, hier warst du schon mal. Das ernüchtert. Muss es aber nicht. I...

Handlungsschlupflöcher

 Manchmal scheint es, als geschehe das Leben uns und wir seien dem hilflos ausgeliefert. Das stimmt manchmal. Mindestens ebenso oft stimmt es aber nicht, und wir sehen nur nicht, was wir tun können. Zugegeben: Unsere Handlungsmöglichkeiten sind oft begrenzt. Wir können andere nicht verändern, das Wetter nicht und unsere eigene Gesundheit auch nur zu einem kleinen Teil. Aber tun können wir meist etwas. Zumindest kurzfristig, damit sich die Misere besser aushalten lässt.  Ein Beispiel: Wenn ich unter der langen Dunkelheit leide, kann ich mir Kerzen anmachen. Die geben kein Vitamin D, aber Helligkeit.  Wenn ich mich ärgere, dass jemand meine Nachrichten nicht beantwortet, kann ich a) die Person anrufen, b) ihr meine Erwartung und meinen daraus resultierenden Unmut mitteilen oder c) (versuchen) keine Erwartungen mehr an die Person (zu) haben. Das löst das Problem nicht, aber das liegt nunmal nicht in meiner Hand.  Oft sehe ich die Handlungsspielräume, die ich habe, nicht...

Wie ich es haben will und wie es ist

In meiner Idealvorstellung bin ich ein unabhängiger, freier Mensch, der nichts und niemanden zu seinem Glück braucht. In der Realität scheitere ich nicht nur daran, mein Fahrrad selbst zu reparieren, sondern bin auch fundamental auf die Zuneigung und Aufmerksamkeit Anderer angewiesen. Machen wir uns nichts vor: Das sind wir alle (wenn auch zu variierendem Ausmaß).  Eine Menge Kummer würde ich mir ersparen, wenn ich so unabhängig wäre, meinen Weg allein bestreiten würde und damit im Reinen wäre. Aber das bin ich nicht. An Tagen, an denen ich bis zum Abend mit keinem geredet habe (das kommt durchaus vor) fühle ich mich irgendwie schief, im Ungleichgewicht, und befürchte, meine sozialen Fertigkeiten zu verlieren. Ein Computer eröffnet zwar einen Zugang zur Welt, aber er lächelt nicht.  Verhalten Menschen sich dann unvorhersehbar oder reagieren nicht so, wie ich es gerne hätte, bin ich schnell frustriert und wünsche mir, nicht auf ihre Verlässlichkeit und ihr Wohlwollen angewiesen...

Wünsche äußern

"Möchtest du einen Kaffee?" - "Ja, sehr gerne, danke. Woher wusstest du das?"  So hätte ich es gerne. Jemand anders liest mir meine Wünsche von den Augen ab. Danach fragen oder gar bitten muss ich nicht. Das wäre zwar bequem, aber auch feige. Wieso frage ich nicht einfach selbst nach dem, was ich will?  Weil ich nicht gierig scheinen will. Das geht zum Teil so weit, dass ich mir nicht mal selbst eingestehen möchte, dass ich einen Wunsch oder ein Verlangen nach etwas habe. Denn der Wunsch kann mir ja abgeschlagen werden. Sehr her, ich bin Mutter Teresa, ich brauche nichts als ein bisschen Luft zum Atmen.  Ich aber möchte sehr gerne und sehr viel und die Wahrscheinlichkeit, es zu bekommen, ist deutlich höher, wenn ich danach frage. Oder es einfordere, wenn es mir zusteht, aber nicht gegeben wird. Wir alle brauchen oder wollen etwas: Kaffee, Schlaf (eher in umgekehrter Reihenfolge), Platz im Bus, eine Tüte Äpfel, Hilfe bei der Fahrradreparatur und eine Rente. Kommen di...

Qualifikationen

 Kann ich was und wenn ja, kann man das verwerten? Diese Frage sollte ich mir eigentlich nicht stellen, denn der Wert eines Menschen bemisst sich nicht daran, was er kann oder tut. Sondern dass er ist , dass er denkt, liebt, glaubt. Wo kommen wir denn hin, wenn wir erst etwas leisten müssen, um existieren zu dürfen? Richtig - in den Neoliberalismus.  Doch ich sitze hier und schau auf meine (je nach Definition 5 oder 8 Jahre) Ausbildung zurück und frage mich, ob mir da etwas beigebracht wurde und wenn ja, was und wo das geblieben ist. Ich habe einen Abschluss, aber bekanntlich stehen Zertifikate nicht für Fertigkeiten. Wenn ich in meinem Lebenslauf Kenntnisse auflisten soll, was schreibe ich? Grundlegende Microsoft-Office-Kenntnisse (was schon halb gelogen ist, Excel treibt mir jedes Mal wieder den Schweiß auf die Stirn)? Deutsch Muttersprache? Morgens Aufstehen (ebenfalls halb gelogen, vor 7 passiert nüscht)? Dass heutzutage Selbstvermarktung eine essentielle Fähigkeit ist, i...