Direkt zum Hauptbereich

Zuckerschock gefällig?

Nahrung. Allgegenwärtig und Symbol der Verbundenheit mit der Kultur, einem gewissen Lebensstandard und natürlich Glück. Wo man geht und steht, ist es in all seinen Variationen verfügbar. Von Bekannten bis Fremden lädt einen jeder Atze dazu ein.
Die letzten Tage kam das Thema aufgrund meiner Bauchmalässen in so gut wie jedem Gespräch auf. Die Floskel „Du musst auf deine Ernährung achten“ ist unter den Top 10 der meistgehörten Phrasen unbestritten auf Platz eins. Was hier unter guter Ernährung verstanden wird, hat jedoch weniger mit Obst und Gemüse als mit dem Klassiker – frittiertes Hühnchen mit Reis und Pommes frites – zu tun. Als Vegetarier nicht ganz so der Hit.
Was das ist? Keine Ahnung.
Überhaupt, Fleisch. Bolivianer können und wollen nicht ohne- nach eigener Aussage. Es gibt gefühlte 4759 Gerichte mit totem Tier – ob getrocknet, gekocht, gebraten, frittiert, paniert oder in Begleitung einer schmackhaften Schweinehaut. Bei 80 % der Bezeichnungen habe ich keine Ahnung, was für eine fleischige Delikatesse da nun dahintersteckt. Entsprechend knifflig ist es, etwas Vegetarisches zu finden, was über Reis, Mais und Kartoffeln hinausgeht.
So groß die Liebe zum Essen ist, so groß ist die Sorge um die eigene Figur. Das Spektrum der Abnehm-Tricks reicht von Kräuterdrinks über cholesterinsenkende Selleriesäfte bis zu Aerobic-Geräten.
Kaffee und Tee werden mit Esslöffeln von Zucker versetzt; ein süßes Erfrischungsgetränk und eine helatina (quietschbunter Wackelpudding) gehören zu einem guten Essen dazu. Da klopft bei dem einen oder anderen Senor Diabetes eben auch mal an.
Das Blöde ist: Die Zuckerei färbt ab. Auch ich kippe in meinen Tee gut und gerne mal ein Löffelchen rein und hole mir auf der Straße täglich mein knatschsüßes Jogurt-Trinkpäckchen.
Suppen und Empanadas (gefüllte Teigtaschen) kann man hier immer gut essen, und die Fruchtsalate auf dem Markt sind für mich ein süßer Traum. Ihr merkt, verhungern muss man hier nicht.

Manchmal verfällt man aber doch in Tagträume- von Brezeln, Sauerkraut, Kartoffelklößen, Spätzle, Ratatouille, Schupfnudeln, Vollkornbrot, Waldorfsalat, Erbsensuppe,……..

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Rahmen unserer Möglichkeiten

Ja, es ist heiß. Was mich aber viel mehr beunruhigt als die momentane Hitze ist, wofür sie steht. Wir haben es oft gehört in den letzten Tagen: Das sind Auswüchse des Klimawandels. Das ist erst der Anfang. Wer nicht vorher schon Angst vor der Zukunft hatte, dürfte sie jetzt haben. Wie damit umgehen?  Klar, ich kann im eigenen Nahfeld etwas anstoßen oder mich einer Bewegung anschließen. Urban Gardening betreiben, Klimastreiks organisieren, für die Begrünung von Asphaltflächen im Stadtrat plädieren. Die begrenzte Wirkung ist mir dabei jedoch immer klar.  Ich kann gut nach mir selbst schauen und mir eine so erfreuliche Zeit wie möglich auf dieser Erde machen. Aber das führt, bei mir zumindest, zu noch mehr Schuldgefühlen: Ich lebe auf dicker Sohle, verbrauche Ressourcen und Andere leiden. Ja, auch ich will ein Gutmensch sein (wenn das denn möglich ist).  Vom Wählen fange ich nicht an, das sollte selbstverständlich sein.  Also was dann? All die Schreckensberichte und Sze...

Werde ich seltsam?

Die meisten Momente in meinem Leben verbringe ich allein. Ich arbeite, wandere, schlafe und scrolle (überwiegend) allein. Das finde ich auch gut so. Nur manchmal flüstert eine leise fiese Stimme: "Ist das normal?" Es mag mein heteronormatives Weltbild sein, Angst vor Einsamkeit (im Alter) oder eine gesunde Prise Selbstkritik - diese Stimme kann mir ganz schön zusetzen. Worte wie "Eigenbrötler", "Katzenlady", "Weirdo" oder "Dauersingle" schieben sich in mein Bewusstsein. Werde ich komisch, wenn ich zu viel Zeit alleine verbringe? Eigne ich mir nach und nach seltsame Verhaltensweisen an, ohne es zu merken? Werde ich zu dieser Person, die von anderen mit Befremden mit einem gehörigen Sicherheitsabstant beäugt wird? Über die Mütter zu ihren Kindern sagen "nee, mit der spielen wir nicht" oder "Schatz, ich weiß auch nicht, was mit ihr los ist"? Aua.  So gern ich allein bin (es kann gar süchtig machen), fürchte ich doch die...

Freitagskram

Hier mal wieder eine kreuz und quere Ausschüttung meiner Gedanken der letzten Stunden:  - Lasst uns einen Moment innehalten und dankbar sein, was Medizin heute alles bewirken kann. Welch eine Macht! Immer, wenn sich mein Körper auf unerwünschte Weise meldet, wird mir bewusst, wie großartig Medikamente und ihre Entdeckung sind: Wie toll ist es, keine Schmerzen mehr zu haben, den Antrieb zu steigern und die grauen Schleifen, die unsere Hirne manchmal unnötigerweise ziehen, umzulenken? Danke an all die Menschen, die sich unermüdlich dem Ergründen von Regelkreisen, Enzymen und Wirkstoffen gewidmet haben. - Manchmal bereitet es mir eine diebische Freude, mittelalte, manchmal - aber nicht immer - grantige deutschen Mittelstandsbürger:innen irgendwie zu provozieren oder zumindest zu entrüsten. Das tue ich, indem ich zum Beispiel meine Strumpfhose in der Öffentlichkeit aus- oder anziehe (schließlich verschätzt man sich im deutschen Frühjahr und Herbst gerne mal um 5-10 Grad in der Temperat...