Mittwoch, 3. Februar 2016

Warum schlafen im Bus so eine Sache ist... und anderes



Ein leicht modriges Müffeln steigt mir ins Näschen, wenn ich meinen Rucksack nach drei Wochen Reisen öffne. Dies verstehe ich als dezenten Hinweis, mal wieder sesshaft zu werden und ein meeting mit dem Waschbecken abzuhalten. Schweren Herzens nehme ich Abschied vom schon fast zum Zuhause gewordenen Sucre, schleppe in höchster Zeitnot meine drei Reisetaschen zum Busterminal und – warte. An der Haltestelle „meiner“ Buslinie herrscht zur Abfahrtszeit gähnende Leere. Die Dame im Busbüro, strotzend vor Kompetenz, behauptet, der Bus fahre eine Stunde später. Nach einem Blick auf die auf meinem Ticket vermerkte Uhrzeit ist sie sicher, der Bus komme gleich. Punkt siebzehn Uhr – eine Stunde zu spät – trudelt das Gefährt ein. Erleichtert falte ich mich in den Sitz. Bis ich gegen zwölf aufwache, weil sich mein fahrender Untersatz weder vor noch zurück bewegt. Aufgrund eines Erdrutsches oder aufgeweichter Straßen, ist mir nicht klar, jedoch drehen die Räder durch. Zweieinhalb Stunden hocken wir im dunklen Bus; für die Passagiere wohl nichts Neues, die Mehrheit schlummert jedenfalls friedlich. Vier Stunden verspätet komme ich im Morgengrauen in La Palizada an, dem Dorf, wo mein Taxi ebenso lang wartete, um mich nach Comarapa zu bringen.
Weil der Kindergarten noch im Sommerschlaf ruht, verbringe ich die nächsten zwei Wochen im Grannie-Palacio. 
Lea & eine menschliche Plastiktuete- bester Schutz gegen ploetzlichen Regen
Wenig später stößt Lea zu mir, eine Mitfreiwillige aus Santa Cruz, und wir haben mit den Opis und Omis eine Menge Spaß. Für große Erheiterung unter Letzteren sorgt das Ballspielen; trotz dem ein oder anderen verpassten oder verschlafenen Fang überrascht mich, mit wie viel Freude die abuelitos dabei sind. Aus einem Spaziergang durchs Dorf wird bei einer Dame eine Shoppingtour, ein Herr reißt aus und verursacht das Ausschwärmen eines Suchtrupps und es wird sich mit Essen beworfen – man denkt gar nicht, was ein Haufen Senioren so alles anstellen kann. 
Lea und ich stiefeln eines heißen Sonntages um sechs Uhr morgens zur Laguna Verde hoch und verlaufen uns bei der Suche nach einem – wie man uns später mitteilte: gar nicht vorhandenen Aussichtspunkt – im Gestrüpp. Eine Mitarbeiterin im Altenheim warnt uns im Nachhinein vor den Löwen und Tigern, die es dort in den Bergen geben soll. Na da haben wir ja noch mal Glück gehabt, dass wir nur fast nicht mehr zurückgefunden hätten und nicht von Raubtieren verspeist wurden ;)

Das nächste Wochenende gehörte Cochabamba: Freitagnacht mit der Flota hin (so voll, dass viele Leute standen- acht Stunden lang!), über den zum Verlaufen großen Markt La Cancha und hoch zur ehemals höchsten Christusstatue der Welt. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, zu Fuß hochzuschnaufen und uns dabei mal wieder ein nettes Färbchen zu holen. Wenn man bis in die Arme des populärsten Mannes der christlichen Geschichte hochsteigt, hat man einen wirklich weitschweifenden Blick über die viertgrößte Stadt Boliviens. 







Quillacollo aus Sicht der Kapelle + Brautpaar + Fotograf
  In Quillacollo, einem Vorort Cochabambas, watschelten wir einen Teil der Strecke, die am Feiertag der Virgen de Urkupina mit selbiger Statue gepilgert wird, und kamen an einer wunderschönen Hügelkapelle an.







Eingang zur Kapelle der Virgen de Urkupina



Pseudo-Goldaltar in der Kirche- und Lea
Am nächsten Morgen wachten wir in unserer Absteige auf und registrierten zuerst: Es regnet. Dennoch besuchten wir das kleine Örtchen Tarata, eine Dreiviertelstunde vor Cochabamba, mit seinen diversen Kirchen. Tarata ist der Geburtsort einiger ehemaliger Präsidenten, von denen einer einen ganzen Landstrich an Brasilien abtrat im Tausch gegen…. Ein Pferd. Zufällig – das gibt’s hier ja so selten- fand gerade ein Dorffest statt und so hockten wir uns mit einem Riesenberg aller möglicher Teile vom Schwein (für mich als Pflanzenfresser eher uninteressant) dazu, tranken Bier und spielten Karten, bis der Regen schwächer wurde. 

Auf der Heimfahrt nach Comarapa machte das Geruckele in der letzten Reihe und ein gegen Ende doch recht frisches Brischen Schlafen eher schwierig. Lea, die von ihrer Reise nach Peru schon größere Komplikationen erlebt hatte – die ganze Nacht vor der peruanischen Grenze zu warten zum Beispiel – nahm das Ganze ziemlich gelassen. Was tut man nicht alles für ein kleines Abenteuer…