Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es blüht und zwitschert - Achtung Kitsch

Glaubt man Nachrichten und Internet, geht gerade die Welt unter. Oder zumindest die Menschheit. Draußen blüht zartlila der Flieder und schnuppert zauberhaft.  Auch ich bin verzaubert. Ist das etwa dieser Frühling?! Auf einem Glockenspiel tanzt etwas ChaChaCha, Kling-Klang. Oder ist das doch nur Spotify? Man weiß es nicht.  Ach, ist doch egal, man hört, was man hören will. Süßer die Glocken nie klingen. (Süßer als ernste Virologenstimmen allemal.) In der Luft liegt Sommer, Aufbruch, Schweiß und Abenteuer, und mir hat jemand Zucker in den Po und Watte (oder Federn?) in die Omme geblasen.  Wäre da nicht dieses, na, wie heißt es - Pflicht -, was da immer wieder fies lachend reinpfuscht und mit dickem schwarzem Edding Jux und Träumerei zensiert. Achso, ja, fast vergessen, das Leben ist ja kein Ponyhof und schließlich bin sind wir nun erwachsen. Dabei erwächst gerade doch so viel Wertvolleres....

Wonne

Manchmal kommt Freude subtil. Spielt nicht mit fulminantem Orchester auf, sondern zupft still und heimlich im Hintergrund die Saiten einer Harfe. Manchmal liegt sie in einer saftig grünen Wiese, einem Vogelzwitschern, einer Baumkrone im Schein des kupferfarbenen Abendlichts. In einem Gitarrenspieler im Park, der sich hingebungsvoll seinem Instrument widmet und damit nicht nur die Saiten, sondern auch etwas in uns, seinen Zuhörern, zum Schwingen bringt. Manchmal liegt Frieden auch in der Abwesenheit von etwas: Lärm, Druck, Vorgaben, Geschwindigkeit, Angst oder Sorgen. In manchen Momenten legt sich stille Dankbarkeit wie eine weiche Decke über mich. Dankbarkeit für das Leben und die Menschen darin, die ihm Farbe geben. Eine Wonne, so unerwartet und überraschend, die mit Gram versöhnt, keine Zeit und keinen Ort kennt.Für den, der derlei noch nie genoss, mag das esoterisch klingen. Wenn dich die stille Wonne ereilt, wirst du wissen, was ich meine. Verstecken kann sie sich überall: I...

Ruhig Blut

Woran denkst Du, wenn du das Wort "Krise" hörst? Meine Assoziationen sind Not, soziale Spannungen und vor lauter Arbeit spärlich und grauhaarige oder kahle Männer in Anzügen, die sich ratlos im an Arbeit und Schlaflosigkeit verlorenen Haupthaar wühlen. Woran ich nicht denke: An Menschen, die friedlich zuhause sitzen und stricken. Die plötzlich entdecken, was das Leben zu bieten hat, wenn ihre gesamte Zeit und Kraft auf einmal nicht mehr von der Arbeit absorbiert werden. Die merken, dass Alleinsein gar nicht so beängstigend und Freiheit immer relativ ist. Sicher, nicht alle können sich diesen Luxus leisten, für Manche hängt gerade die Existenz an einem nicht sehr reißfesten Faden und wir sollten jenen dankbar sein, die das öffentliche Leben und unsere Versorgung am Laufen halten und uns die Weil im trauten Heim erst ermöglichen. Aber wie viel weniger Panik wäre wohl ausgebrochen, hätte man Du-weißt-schon-was "Coronaphase" oder "Coronaherausforderung" g...

Woche zwei mit Frau C

Plötzlich konsumiert man wieder Nachrichten wie vorher Chips. Die sogenannte Lügenpresse wird verfolgt und auf das letzte bisschen Neuigkeit ausgequetscht: Wie viele Infizierte sind es nun? Wer hat die härtesten Ausgangsbeschränkungen? Wer hilft wem im internationalen Verbund? Gleichzeitig mit dem Frühling (hoffentlich!) scheint ein neuer Hunger auf Information erwacht zu sein. Dem Bangen und Fürchten wird versucht, durch möglichst aktuelle News-Happen beizukommen. Ist das der Beginn einer neuen Mündigkeit? Nichts fasziniert und erschreckt dieser Tage so sehr wie das C-Wort. Es hat unser aller Leben verändert - bei manchen mehr, bei manchen weniger. Worüber machten wir uns vorher Gedanken? Es scheint so fern, manchmal fast nichtig. Urlaube platzen, Existenzen gehen zugrunde. Gleichzeitig beobachte ich in meinem Umfeld eine Entwicklung hin zu mehr Ruhe, Leidenschaften wird endlich Zeit gewidmet und - in meinem Fall - das ungeliebte Telefonieren wieder aufgenommen, um aus der Isolati...

Ausnahmezustand

Die Sonne lacht, ein Vöglein singt in der Luft liegt Frühling und noch viel mehr: ein Virus, vor dem sich jeder schützen muss. Die Welt mutiert zum Krisenherd und wir sind drinnen eingesperrt. Die Seuche tobt, ein Drama droht, darum nun das Ausgangsverbot. Man schimpft, man flucht, man resigniert, bevor man den Verstand verliert. Man spannt Textilien vor den Mund und grüßt nur noch mit "Bleib gesund!". Ich bin gesund, mir geht es gut, angezeigt ist Demut.

Die anderen und ich

"Alleinsein ist uncool." Diese Meinung erlege ich mir im ersten Semester auf und seitdem begleitet sie mich - mal offener, mal verdeckter - durchs Studium. Jeden Tag sind ein paar bis tausende Studierende um mich, ich sehe sie, höre sie, rieche sie auch manchmal. Wieso sollte man da allein sein?! Ja, wieso? Zuerst merke ich: Weil man sie nicht kennt. Man schleicht aneinander vorbei, als würden durchsichtige Tücher zwischen einem selbst und den anderen hängen. Man kann sie berühren, für einen Moment zur Seite schieben, bevor sie sich wieder schließen. Kontakt bekomme ich nur langsam, zu Einzelnen, über Hürden und um Ecken. Dann: Erste Enttäuschungen, verletzte Erwartungen und schmerzvolle Disharmonien. Nicht mit jedem lässt sich Tau knüpfen, manchmal bleibt es bei einem dünnen Band und manchmal reißt auch das. Erst brennt das ein bisschen, wie eine frische Wunde. Irgendwann vergisst man es. Zuletzt: Was sagt es aus, viele Freunde zu haben? Ist das nicht eine Fortsetzu...

Wenden und umkehren

Niemand handelt gern gegen seine Prinzipien. Hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückzubleiben, schmeckt bitter. Bauchschmerzen machen aber vor allem die Entscheidungen, die wir bereuen. Wenn wir anders handeln, als wir es uns von uns selbst wünschen. Wenn die getroffene Entscheidung so nicht in das Bild passen will, das wir von uns haben (oder gerne hätten). Gründe gibt es genug, und ich gehe so weit, zu behaupten, manchmal ist es unvermeidlich, ein oder zwei Ideale über Bord zu schmeißen. Oder zumindest für einen Moment die Augen zu verschließen und so zu tun, als seien sie nicht da. Handle ich gegen besseres Wissen und Gewissen, ist das ein bisschen wie das Einhauen einer Wand: Da war etwas, was ich für fest und gesetzt hielt, und dann lässt es sich so leicht zum Einsturz bringen. Woran soll ich mich denn dann orientieren? Manchmal gibt es ein Zurück. Das ist oft mit Reue und Demut verbunden. Manchmal bleibt nur, es als Lektion zu betrachten, die einem das Leben auftrug, zu sc...