Eine Chance auf einen Ego-Boost geht verloren, wenn ich Ziel X nicht erreiche (z.B., kein Paper veröffentliche). Aber ebenfalls auch eine Chance auf eine Ego-Bruchlandung (und sind wir mal ehrlich, diese Chance ist, betrachten wir die nüchternen Wahrscheinlichkeiten, deutlich höher). Denn etwas nicht zu schaffen nagt ja vor allem dann am Selbstwertgefühl, wenn man von sich erwartet , es zu schaffen. Auch hier kommt also die Freiheit zum Tragen, auf die ich im vorherigen Beitrag ein Loblied sang. Frei sein davon, X schaffen zu müssen, lässt mir mehr Freiheit, alles Andere zu sein, was mich sonst noch so ausmacht (z.B. müde). Ich kann X immer noch versuchen. Aber ich muss es nicht. Nach dem Motto: Alles kann, nix muss, macht dann alles gleich viel mehr Freude. Wenn ich kein veröffentlichungsreifes Meisterstück schreiben muss, merke ich, dass ich schreiben will . Aber vielleicht eben nur Tagebuch. Welch eine Entlastung.
Auf einmal ist alles weit weg. Ich sehe die Dinge, mein Leben, in dem ich neulich noch so feststeckte, von oben. Vielleicht noch nicht aus dem Adlerblick. Dazu muss ich noch etwas höher steigen. Aber mit einer gehörigen Distanz. So sieht alles gar nicht mehr so einschüchternd aus. Hitze? Ja, doch der Winter kommt bestimmt. Schlecht geschlafen? Umso schneller lullt mich die Müdigkeit in der folgenden Nacht in den Schlaf. Aufregung bei der Arbeit? Nur ein Wirbel in einem winzigen Mikrokosmos. Wir alle sind Ameisen in einem riesigen Haufen, aber selten können wir das so sehen. Meistens sind wir zu verstrickt im Klein-Klein des Alltags, um eine Perspektive auf das Große Ganze zu haben. Dieses Eingewobensein hat auch eine Funktion: Uns Halt zu geben und eine Aufgabe und uns nicht jeden Tag aufs Neue die großen Fragen des Lebens zu stellen. Wofür ist das gut? Wo gehen wir hin? Was ist unsere Rolle? Fliegen macht leicht und frei, aber Abstürzen immer möglich. Fliegen mit Siche...