Immer wieder höre ich den Rat an Andere, zu lernen, Nein zu sagen. Der Standardmodus scheint das "Ja" zu sein, das Nein hingegen eine seltene Spezies. Bei mir ist es umgekehrt. Ich sage immer erstmal Nein. Vorsichtshalber. Um mich nicht auf etwas potenziell Forderndes oder Gefährliches einzulassen (gefährlich soll hier in einem sehr relativen Sinne gemeint sein - wie z.B. die Gefahr, die Kontrolle zu verlieren). Das Ja kommt mir oft verbindlicher vor, als das Angebot gemeint ist. Ein gemeinsamer Kneipenbesuch wird oft von der anderen Seite abgesagt und selbst wenn er stattfindet, geht er meist nicht so lang und erfordert so viel Hirnschmalz, Spritzigkeit und Zugewandtheit, wie ich mir einbilde. Mir kommt es vor, als setze ich mit dem Ja eine Unterschrift unter einen Vertrag, dessen AGB ich nicht gelesen habe. Dabei kann ein Ja Möglichkeiten eröffnen. Das Nein schließt sie von vornherein aus. Ein Ja kann eine beschwingenden Schwips, ein inspirierendes Gespräch, eine spaßige A...
Menschen haben den Computer und das Flugzeug erfunden. Wir sind fähig, Berge zu besteigen, Kinder zu gebären, ins All zu fliegen und Maschinen zu bauen, die jede erdenkliche Tätigkeit übernehmen - Waschen, Höhen überwinden, Autoteile zusammenstecken, sogar menschliches Körpergewebe durchleuchten. Woran Viele von uns, zumindest jedoch ich, regelmäßig scheitern, ist, unserer eigenen Gedanken Herr zu werden. Stattdessen überrollen sie mich wie eine Flutwelle und ich stehe da, ungeschützt, und lasse mich umwerfen. Lasse? Habe ich eine Wahl? Ja, sagen Kognitionspsycholog:innen und Verhaltenstherapeut:innen. Ich kann meine Gedanken steuern, selbst entscheiden, welche ich in mein Bewusstsein lasse und welche nicht. Sie modifizieren, infragestellen und dadurch entkräften. Das mag stimmen. Aber sie bleiben. Haben sie sich mal häuslich eingerichtet, sind sie schwer wieder heraus zu bekommen und kehren immer wieder. Wenig ist so verlässlich wie Grübelgedanken. Bist du sonst auch allein - sie sind...