Direkt zum Hauptbereich

Posts

Weiter auf der Suche

Ansprüche herunter schrauben. Ja, das macht vermutlich zufriedener. Aber ich habe keine Lust, auf etwas zu verzichten. Ich möchte ins Leben springen wie in einen Pool voller Überraschungen, mich erfrischen und vergnügen. Keine Wünsche, keine Hoffnungen mehr zu haben, bedeutet Resignation. Dann kann auch nichts mehr kommen. Keine Überraschungen, keine Hochs, keine Tiefs. Letztere nehme ich in Kauf, wenn das Leben in Bewegung bleiben soll. Fühle ich nichts mehr, bin ich tot. Dann funktioniere ich nur noch. Was gibt es Schöneres, als von Menschen umgeben zu sein, denen man sich nah fühlt? Mit ihnen so Vieles teilen zu können, Schönes, Schauriges und Trauriges? Diese Menschen lohnt es sich, zu suchen, und sei es auch mit einer Reihe von Fehlversuchen verbunden. Aber deshalb aufgeben? Nein. Warten, Suchen, Scheitern, Weitergehen. Irgendwann wird man fündig, und umso schöner glänzt das Gold.

In die Vollen

Gewohnheit - einer der engsten Vertrauten des Menschen. Meist bemerkt man ihn erst, wenn er sich schon häuslich eingerichtet hat. Je nachdem, ob es sich um einen ungebetenen Gast - einen Eindringling! - handelt oder eine nette Affäre, fühlt man sich mit ihm kuschelig bis schuldig. So hinterlistig wie er herein geschlichen kam, so mühsam bekommt man ihn wieder hinaus bugsiert. Ein hartnäckiger Zeitgenosse. Bisher hielt ich eine knackige Karotte für einen recht delikaten Snack. Unkompliziert, günstig und beständig in ihrer Qualität. Bis ich einen Finger ins Honigglas steckte. Warum spricht man davon, "Blut geleckt zu haben"? Wem schon mal ein Stück Schokolade auf der Zunge zerging, wird dieses Erlebnis sicherlich eindrücklicher im Gedächtnis behalten haben als das Blutgeschlotze. Das muss es sein, das süße Leben. Kartoffeln machen satt, Kakao glücklich. Wie kann ich auf Drogenabhängige herabschauen, wenn Versuchung so schnell zur Sucht werden kann? Wer das bestreitet, ha...

Hey ho, let's go!

Wer aufmerksam meine Aufzeichnungen studierte, weiß vielleicht, dass ich anfangs das ein oder andere Problemchen, oder nennen wir es fachdeutsch, "Anpassungsschwierigkeiten", hatte. Vielleicht war ich ein deutscher Stecker in einer bolivianischen Steckdose- ohne Adapter. Zwischendurch fiel der Strom aus, das Kabel brach oder die Steckdose war besetzt. Kurz: Es lief (oder eher floss) nicht immer. Aber wenn ich steckte, dann fest, dann schoss der Strom so durch meine Fasern, dass sich eine Techniknulpe (höhö. Da bin natürlich nicht ich gemeint ;) ) gelegentlich mal ordentlich eine gewischt bekommen konnte. Aber Stromschläge regen ja bekanntlich die Hirnaktivität an :) Was in den letzten Wochen passierte: - Mellis und Wiebkes Jugendzentrum wurde neues Make-Up verpasst, und ich beschmierte mehr mich selbst als die Wände. - Die comarapenischen Gefilde wurden von einer weiteren Schar Allemannen invadiert: Wiebkes Familie brachte ein wenig Deutschland (konkret: SCHOKOLADE!) mi...

Warum man Bolivianer moegen muss

www.pinterest.com Typisch deutsch- das ist für mich, nun mit etwas Abstand, Pünktlichkeit, Ordnung, Büokratie, Industrie (oder arbeitet ihr in eurer Freizeit gelegentlich auf dem Feld? ;) ) und eine gewisse kühle – nennen wir es Distanz. Checkt man in einem Hotel ein, werden eingeübte Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht, auf den Cent genau bezahlt und sachlich die Details abgeklärt. In den meisten Buden in Bolivien sucht man erstmal den Verantwortlichen oder dessen Schwester, Schwiegersohn oder Neffen dritten Grades. Der kommt verpennt, mit drei Kindern im Schlepptau oder im weiblichen Falle mit Lockenwicklern in der Frise angelatscht.  Man wirft sich Satzfetzen zu, der Preis hängt von der Bereitschaft des „Verantwortlichen“ zur Verhandlung ab. Niedergeschrieben wird hier außer dem Namen des Gastes meist nichts. Von Anfang an ist man auf Du und meist ist auch ein kleines Pläuschchen im Zimmerpreis enthalten. Gutes Essen hat Prioritaet Wenn der Bolivianer Fremdes oft mit ...

Zu Besuch bei Omi

Ein weitläufiges Haus, ein großer Innenhof mit Bänken zum Ausruhen, ein Garten voller Rosen. Gemälde zieren die Wände, ein Flachbildfernseher das Wohnzimmer. Jähes Geschrei zerreißt diese Idylle. Wir befinden uns im Altenheim Santo Domingo, und der Bewohnerin Perfecta passt irgendetwas so gar nicht. Wer oder was der Störfaktor ist, kann nicht ausgemacht werden. Wie einige andere ist Perfecta stumm. Das ist eines der vielen Dinge, die man hier lernt: Sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Dann gibt es noch die Fäkalien, mit denen man sich intensiv auseinandersetzen muss. Zur Erhaltung eurer hoffentlich guten Laune gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ins Detail. Menschen altern unterschiedlich- das kann man an den etwa 35 Omis und Opis hier beobachten. Da gibt es die, die einfach nur ihre Ruhe haben und vor sich hin dösen möchten. Die, die bitterer sind als jeder türkische Mokka und sich auf Krawall gebürstet über eine Druckstelle an ihrer Kartoffel echauffieren. Manchen jedo...

Zum Wein(en)

Dieser Genuss, wenn ein edler Tropfen den Rachen hinunterrollt wie fluessiges Gold. Der fruchtig-herbe Nachklang, der Aromen von weissfleischigem Pfirsich mit bittersuessem Zimt vereint... Habt ihr jemals solche Sinesfreuden verspuert? Ich auch nicht. Wein liess mich bisher noch nie in himmlischen Sphaeren schweben, sondern schwebte meistens in meinen Kopf hinauf, wo er mir am naechsten Tag ein sanftes, aber bestaendiges Pochen verursachte. Aber man soll ja offen sein fuer Neues, und so machte ich mich von Cochabamba auf die 15 stuendige Reise nach Tarija, das drei Stunden von der argentinischen Grenze entfernt im Sueden Boliviens liegt und fuer seinen guten Wein beruehmt ist. Bei der Ankunft taute ich erstmal mein Eisbein auf, damit mich dieses auf der Suche nach einem Hostel durch Tarijas Zentrum tragen konnte. Ich passierte eine Parade mit Humpa Humpa und Taeterae, bevor ich endlich mein Ziel und dort Chrissi fand. Zusammen durchlatschten wir Tarija, das durch absolute Sauberkeit ...

Ausflug in die Natur oder: das große Speien

Fährt einer in die Ferne Und isst dazu noch gerne Geht’s ihm mit etwas Pech Gelegentlich mal schlecht. So holperten meine Mitfreiwillige Lea aus Santa Cruz und ich eines sonnigen Samstagmorgens von Cochabamba ins vier Stunden entfernte Bergdörfchen Toro Toro. Wir waren hungrig nach neuen Abenteuern, nach Schluchten und Wasserfällen und dem Duft der Wildnis. Statt Wohlgeruch zog uns beim Ankommen eisige Kälte unter den Pelz, das Dorf war ein von jeglichem Empfang abgeschnittener  Fleck inmitten einer virtuell vernetzten Welt, und meine geliebten Karotten konnte ich auch nicht finden. Dafür wartete das 300-Einwohner-Kaff mit nächtlicher Unterhaltung auf: Ein junger Mitbürger, der am UN-Einsatz im Kongo teilgenommen hatte, feierte die Rückkehr in seine Heimat und hatte glatt das ganze Dorf eingeladen. Touris included. Nach vielen Ehrungen und noch mehr Chicha (Maisbier) legte die extra eingeflogene Band aus Argentinien los und Lea schwang das Tanzbein. Letzteres drohte mir ...