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Corona-Tagebuch

Tag 1 Was? Corona? Ich dachte, das gäbe es nicht mehr...? Wurde ich veralbert? Wo sind denn diese Informationsmedien, wenn man sie mal braucht? Später Schick, keine sozialen Verpflichtungen. Der Intro in mir atmet auf. Nachts  Oh, ich spüre doch recht deutlich, dass ich eine Nase habe. Tag 2 Alles wie immer. Oh, Maske. Was die Leute jetzt wohl denken...? Später Irgendwie ist diese Isolation doch gar nicht sooo toll. Soziale Deprivation ist nicht ohne Grund ein Folterinstrument. (Ja, ich bin mir meiner Privilegien und des Jammerns auf meterhohem Niveau bewusst.)  Aber Arbeiten kann ich ja noch. So funktioniert der Kapitalismus. Or, as they say in Schwaben: Schaffe Schniefe Bausparvertrag.  Noch später Draußen spielt (und protestiert) das pralle Leben, der Sommer dreht nochmal eine Extrarunde und ich bin hier drin gefangen !!1!!!!11!! Ich, der Schimpfspecht.
 Wegrennen schützt vielleicht vor kratzenden Katzen, aber ansonsten vor ziemlich wenig. Zwischenmenschliche Unstimmigkeiten zum Beispiel wurden selten dadurch gelöst. Dennoch ist das meine Standardreaktion, wenn Wolken aufziehen im Verhältnis anderer mit mir. In manchen Fällen werde ich dann von diesen anderen regelrecht gezwungen, mir die Sachlage anzuschauen. Das bringt meist zwei Erkenntnisse: 1. So furchteinflößend ist die Chose gar nicht.  2. Sie lässt sich eindämmen - und zwar genau durch dieses Hinschauen, Zuhören, Annehmen, Ehrlichsein und Sich-Einlassen.  Das mag für euch ein alter Hut sein - ich muss es wohl noch ein paar Mal (gezwungenermaßen) durchlaufen, bis es im Oberstübchen ankommt.  Bis dahin braue ich mir wahrscheinlich noch ein paar Grübeleien und Magenverstimmungen zusammen, die sich dann nach einer ordentlichen Grundentleerung und -reinigung - metaphorisch, versteht sich - in Luft auflösen.  Worte können Brücken bauen, wo vorher Gräben waren...

Anpassung Extrem

 Welchen Preis zahlen wir für Konformismus? Dazuzugehören ist für mich eine der Kernbestrebungen meines Daseins, doch was opfere ich dafür? Individualität? Bleiben meine Wünsche auf der Strecke, wenn ich nicht den Mut habe, mal etwas anders zu machen als andere? Oder etwas zu machen, was andere kacke finden? Was daran verängstigt mich so? Dass ich dann auf mich zurückgeworfen bin? Vertraue ich mir selbst so wenig, dass ich glaube, dann nicht zu überleben?  Es gibt Fragen. Für euch klingen sie vielleicht wie rhetorische Fragen, weil natürlich KEIN MENSCH stirbt, wenn seine Kolleg:innen kacke finden, dass er/sie sich etwas lauter räuspert, SPD wählt oder Reggaeton hört. Das wär ja nochmal bunter.  Bunter ist es nur dann, wenn wir alle wir selbst sind und nicht angepasste, zurechtgestutzte und geglättete Versionen des immer gleichen Produkts. Ich bin keine Dose Chips. Meine Innereien schmecken nicht gleich wie die der anderen. Spaß. Was ich meine: Wir kommen nicht genormt au...
Wohin sind die Tage, an denen es scheinbar unendliche Mengen an Mate und Zeit gab?  Wohin die Abende, an denen es egal war, wann oder ob wir ins Bett gehen?  Wo sind die spontanen Bäder im Fluss am späten Nachmittag und das Versumpfen in einem packenden Gespräch?  Unbemerkt sind sie gegangen. Ihr Fehlen fällt erst jetzt auf.  Here we go, Erwachsensein.

Aktuelles

Alle Jahre wieder komme ich an den Punkt, an dem mir bewusst wird: Gesundheit ist nicht selbstverständlich, sondern ein Privileg, sogar ein Geschenk. Das wird meist durch die plötzliche Abwesenheit von Gesundheit deutlich. Dann schreit es aber umso lauter. Also er. Der Körper.  Ich bewohne ein Glashaus, und es ist Wunder, dass es noch nicht vom Hagel zerschlagen wurde. Nicht mal einen Kratzer hat es. Gutes altes Haus. Fein gemacht. Nein, eher Glück gehabt.  Erkenntnisse waren darüber hinaus: - Ghosting ist nicht nur ein aktuelles Phänomen, aber heute häufiger und leichter denn je. Ja, und auch akzeptierter. Schnipp, Schnapp, Kontakt ab. Als wäre nie etwas gewesen. So funktioniert mein Gedächtnis nur nicht. Das archiviert nichtsdestotrotz unbeirrt weiter.  - Ein Regentag im Sommer ist ebenfalls ein Geschenk. Ein großes, ruhiges, von unbekannt an Alle. Dankeschön, stellvertretend für alle.  - Ich vermisse Kaffee, Limo, und all die kleinen Genüsse, die das Leben spritzi...

Mmpf

Wer dachte eigentlich, es sei eine gute Idee, einen Haufen wildfremde Leute in einen Raum zu sperren, um sich "zu vernetzen"? Weil es so einfach ist, Gesprächsthemen aus dem Hut zu zaubern, die über "Bist du gut hergekommen?" und "Nee, ich war auch noch nie in Siegen" hinausgehen? Steht dahinter die Hoffnung, dass man ja mit jedem richtig gut vibet, wenn man sich nur erstmal kennenlernt? (Was ja auch locker in einem dreiminütigen Gespräch zwischen Stehtischen, Flipcharts und Getränkebuffet klappt. Denn länger hält die Geduld des Gegenübers, welches deutlich kürzere und imposantere Aufmerksamkeitsfänger gewohnt ist, meist nicht.)  Wer hielt es für nötig, erstmal 3937 komplizierte, englische oder ewig lange vermeintliche Fachworte für die einfachsten Sachverhalte zu erdenken, die - meiner Meinung nach - 80% aus hohles Gelaber ohne jegliche Bedeutung sind? Ich halte auf der Stelle den Schnabel, wenn mir jemand eine stichhaltige Begründung dafür gibt.  Ich, we...