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Aktuelles

Alle Jahre wieder komme ich an den Punkt, an dem mir bewusst wird: Gesundheit ist nicht selbstverständlich, sondern ein Privileg, sogar ein Geschenk. Das wird meist durch die plötzliche Abwesenheit von Gesundheit deutlich. Dann schreit es aber umso lauter. Also er. Der Körper.  Ich bewohne ein Glashaus, und es ist Wunder, dass es noch nicht vom Hagel zerschlagen wurde. Nicht mal einen Kratzer hat es. Gutes altes Haus. Fein gemacht. Nein, eher Glück gehabt.  Erkenntnisse waren darüber hinaus: - Ghosting ist nicht nur ein aktuelles Phänomen, aber heute häufiger und leichter denn je. Ja, und auch akzeptierter. Schnipp, Schnapp, Kontakt ab. Als wäre nie etwas gewesen. So funktioniert mein Gedächtnis nur nicht. Das archiviert nichtsdestotrotz unbeirrt weiter.  - Ein Regentag im Sommer ist ebenfalls ein Geschenk. Ein großes, ruhiges, von unbekannt an Alle. Dankeschön, stellvertretend für alle.  - Ich vermisse Kaffee, Limo, und all die kleinen Genüsse, die das Leben spritzi...

Mmpf

Wer dachte eigentlich, es sei eine gute Idee, einen Haufen wildfremde Leute in einen Raum zu sperren, um sich "zu vernetzen"? Weil es so einfach ist, Gesprächsthemen aus dem Hut zu zaubern, die über "Bist du gut hergekommen?" und "Nee, ich war auch noch nie in Siegen" hinausgehen? Steht dahinter die Hoffnung, dass man ja mit jedem richtig gut vibet, wenn man sich nur erstmal kennenlernt? (Was ja auch locker in einem dreiminütigen Gespräch zwischen Stehtischen, Flipcharts und Getränkebuffet klappt. Denn länger hält die Geduld des Gegenübers, welches deutlich kürzere und imposantere Aufmerksamkeitsfänger gewohnt ist, meist nicht.)  Wer hielt es für nötig, erstmal 3937 komplizierte, englische oder ewig lange vermeintliche Fachworte für die einfachsten Sachverhalte zu erdenken, die - meiner Meinung nach - 80% aus hohles Gelaber ohne jegliche Bedeutung sind? Ich halte auf der Stelle den Schnabel, wenn mir jemand eine stichhaltige Begründung dafür gibt.  Ich, we...

Eine von Vielen

Im Gewusel des Alltags und durch egozentrische Verzerrungen vergessen wir manchmal, dass es auf der Welt mehr als nur uns und unseresgleichen gibt. Jena ist nicht die Welt, Tübingen auch nicht, und mein Haushalt schon gar nicht. In den Diskursen um Beziehungsmodelle, Schlafdauer und Sonnenbrand, dem Stöhnen über Touristenströme und überfüllte Züge kommt das Leben so vieler Menschen gar nicht vor. Mein Blick ist nicht der allgemeine und meine Meinung deshalb nur ein Bruchstück dessen, was vorhanden, zulässig und respektabel ist.  Woran ich das merke: Nicht jeder sieht einen Mehrwert darin, Selbstzweifel und Krisen mit Freund:innen zu besprechen oder findet auch nur, dass das ein akzeptables Vorgehen ist. Da kümmert man sich gefälligst selbst drum.  Menschen fahren Auto, essen Fleisch und wählen CDU, ohne dass ich das gut finden muss, zahlen aber auch die Steuern, die mir mein Studium, meine jetzige Stelle und die Straße, auf der ich gehe, bezahlen. Menschen kümmern sich nicht u...
Sonnenstrahlen schneiden schräg die Luft Ist es noch Nachmittag oder schon Abend?  Alles flirrt, zwitschert Körper wachen auf aus Monaten der Lethargie wie aus langem, tiefem Schlaf regen sich, kribbeln, drängen hinaus in die Weite. Tage enden nie Fieberschlaf Sommer Leben in hell.

Man nimmt sich mit

Neuer Ort, neues Leben. Ich packe mein altes Leben in Kisten und was ich nicht mehr will, lasse ich da. Irgendwo anders beziehe ich ein neues, leeres weißes Zimmer. Hier endet mein altes Ich und mein Neues beginnt.  Oder doch nicht? Nach ein paar Tagen ist der Zauber des Neuen langsam verraucht. Stattdessen stellt sich eine Gewohnheit ein, die vertraut und manchmal auch verhasst ist. Mir wird klar: Ich nehme mich mit. Ich kann nur so weit neu anfangen, wie ich mich auch ändern kann. Denn das Außen verändert sich verhältnismäßig leicht: Ein Zimmer und ein Wohnort sind schnell gewechselt, eine Arbeit auch (relativ), aber den Staub in meinem Sein und Denken bekomme ich nicht so fix raus gewienert. Dafür reicht Wegrennen nicht. Warum die Gewohnheit sich einstellt, ist klar: Sie gibt mir Sicherheit und irgendwie behagt sie mir auch. Ich pflege schließlich nicht ohne Grund Gewohnheiten wie Wandern, Schlafen, Tatort schauen, Podcasts hören, Kaffee trinken und das Internet durchstöbern....

Harren

Noch nicht losgelaufen und erst recht noch nicht angekommen. So sitze ich hier, mit brennenden Fußsohlen, und schlage Zeit tot, bis es losgeht.  Einen Tag vor dem Packen bemerke ich, dass mein Rucksack schimmelt. Land unter. Meine Nerven spannen sich völlig unverhältnismäßig. Das war's, denke ich. Ohne Rucksack kein Losgehen. Dann verteile ich auch noch einen Becher Senf auf dem Boden (abstrakte Malerei?) und bin mir sicher: Es gibt auch falsche Taten innerhalb der richtigen.  Was mache ich hier eigentlich? Diese Frage ploppt immer wieder auf. Um sie wegzuschieben, halte ich mich beschäftigt. Doch es braucht schon starke Reize oder einnehmende Aktivitäten, um sie zum Schweigen zu bringen. Ich hoffe, wenn ich erstmal losgegangen bin, lichtet sich dieser Sumpf aus Zweifeln, in dem ich gerade bis zum Kinn stecke.