Direkt zum Hauptbereich

Der Rahmen unserer Möglichkeiten

Ja, es ist heiß. Was mich aber viel mehr beunruhigt als die momentane Hitze ist, wofür sie steht. Wir haben es oft gehört in den letzten Tagen: Das sind Auswüchse des Klimawandels. Das ist erst der Anfang. Wer nicht vorher schon Angst vor der Zukunft hatte, dürfte sie jetzt haben. Wie damit umgehen? 
Klar, ich kann im eigenen Nahfeld etwas anstoßen oder mich einer Bewegung anschließen. Urban Gardening betreiben, Klimastreiks organisieren, für die Begrünung von Asphaltflächen im Stadtrat plädieren. Die begrenzte Wirkung ist mir dabei jedoch immer klar. 
Ich kann gut nach mir selbst schauen und mir eine so erfreuliche Zeit wie möglich auf dieser Erde machen. Aber das führt, bei mir zumindest, zu noch mehr Schuldgefühlen: Ich lebe auf dicker Sohle, verbrauche Ressourcen und Andere leiden. Ja, auch ich will ein Gutmensch sein (wenn das denn möglich ist). 
Vom Wählen fange ich nicht an, das sollte selbstverständlich sein. 
Also was dann? All die Schreckensberichte und Szenarien von mir fern halten? Die Schuld auf Andere abwälzen (die Konzerne, die Reiche(n), die Amis...?)? Das scheint mir zu einfach und nicht argumentierbar. Ich habe keine gute Strategie. Das gebe ich zu. Manchmal hoffe ich, dass schlauere Leute als ich eine haben. Oder zumindest eine Idee. Dieser Text endet daher nicht mit Zuversicht. 
Was wir tun können, um zumindest die Sorgen - die ja selten konstruktiv sind - etwas abzuschwächen: Miteinander reden. Aufeinander achten. Jeden Tag versuchen, die beste Version unserer selbst im Umgang mit der Welt zu sein.  


 

 

Kommentare

  1. Hallo! Ich verstehe total deine Sorgen und es tut mir leid. Beim Lesen dieses Eintrags gewinne ich aber den Eindruck, dass du irgendwie den Druck spürst, dieses Problem mehr oder weniger alleine lösen zu müssen. Insofern hat mich persönlich den Satz "Ich habe keine gute Strategie." irgendwie sehr berührt. Ein bisschen unheimlich fand ich auch diese Sätze: "Manchmal hoffe ich, dass schlauere Leute als ich eine haben." Vielleicht, weil ich sie mit anderen Posts in Verbindung setze, in denen es irgendwie um deine persönliche Abwertung geht. Im Gegenteil hat mir den Aufruf "Miteinander reden. Aufeinander achten." mit Freude erfüllt. Ich weiß, dass solche Ratschläge kaum nützlich sind, aber genehmige dir doch eine Pause. Große Probleme brauchen gemeinsame Lösungen und den Willen, Schuldgefühle und Verantwortung gemeinsam und füreinander zu tragen. Wenn du zum Beispiel nicht in der Lage bist, "Klimastreiks [zu] organisieren", ist es auch OK. Bei dem Organisieren geht es wieder um eine "Leistung", aber du kannst einfach nur teilnehmen und sie unterstützen. Und wenn du die Energien dafür hast, kannst du auch Mitwirken :).
    Mir geht es nicht darum, die totale Inaktivität zu legitimieren, aber ich denke, dass dieser Druck die Inaktivität vieler Leute in erster Linie bewirkt. " mich einer Bewegung anschließen": Warum nicht? Da kannst du auf jeden Fall auch über deine Sorgen sprechen. Vielleicht bieten sie Räume, wo du deine Ängste besser bewältigen kannst. Natürlich sollten wir auch außerhalb dieser Räume mit den Leuten über Klimawandel reden, aber jede Person sollte auch auf sich selbst achten. Ich zitiere aus deinem Post "Allein": " Vieles ist netter zu zweit. Aber alleine ist besser als gar nicht. Das gilt zum Beispiel fürs Wandern, fürs Kaffee Trinken oder Youtube Schauen. " Diese Logik finde ich super! In dem Fall ging es darum, dass dein Spaß nicht von anderen abhängt. Dann sagst du weiter, dass du dich trotzdem nach Kontakt mit anderen Menschen sehnst, aber dass du in erster Linie lernst, mit dir selbst gut umzugehen. Warum nicht das Gleiche auch hier? Wenn du den Klimawandel sowieso nicht stoppen kannst, warum dann nicht einmal versuchen, etwas Ermächtigung gegenüber einem so großen Problem zu spüren? Warum nicht anfangen, mit kleinen Schritten etwas anzustellen? Das wird das Problem nicht lösen, aber als "schlaue Person" würde ich sagen, viel Besseres zu tun gibt es nicht. Und die schlauen Leute sind in erster Linie die, die das Problem verursacht haben (sprich technologischer Fortschritt). Eine Burnout-Rethorik in Bezug auf die großen Fragen unserer Zeiten bringt uns nicht weiter. Daher ist umso wichtiger, dass wir diesen Druck, allein Lösungen auszuarbeiten, loswerden. Wir können als Menschen Vieles gemeinsam. Die Individualisierung ist eh einer der Hauptmechanismen, die gesellschaftliche Machtverhältnisse der kapitalistischen patriarchalen Gesellschaft am Laufen halten.
    Ich danke dir ganzen Herzens für diesen neuen Post!

    AntwortenLöschen
  2. Entschuldige bitte, dass ich einen neuen (aus technischen Gründen zwei neue) Kommentar(e) veröffentliche. Ich finde es wichtig, meinen vorherigen Kommentar zu korrigieren. Vor allem habe ich den Eindruck, dich nicht ernst genommen zu haben. Deswegen würde ich erstmal ein bisschen Selbstkritik üben.
    „Ich verstehe total deine Sorgen“: Ich frage mich jetzt, ob das stimmt. Es klingt schon nach Anmaßung.
    „Vielleicht, weil ich sie mit anderen Posts in Verbindung setze, in denen es um deine persönliche Abwertung geht.“: Ich würde diesen Teil erstmal als eine Form von „Gewalt“ einstufen. Es lenkt von strukturellen Problemen ab, hat nichts mit dem Thema zu tun, wirkt pathologisierend und ist auch nicht konsistent. Später „unterstelle“ ich dir eine Individualisierung der Bewältigung des Problems des Klimawandels, dabei relativiere ich selbst dein Empfinden, als wäre es zu persönlich und in gewisser Weise „zu emotional“. Offenkundig widerspreche ich mir selbst.
    „Wenn du zum Beispiel nicht in der Lage bist, "Klimastreiks [zu] organisieren", ist es auch OK. Bei dem Organisieren geht es wieder um eine "Leistung", aber du kannst einfach nur teilnehmen und sie unterstützen. Und wenn du die Energien dafür hast, kannst du auch Mitwirken :).“: Hier lese ich zu viel zwischen den Zeilen ehrlich gesagt. Du hast nie gesagt, dass du nicht in der Lage bist, einen Klimastreik zu organisieren, sondern, dass du die Wirksamkeit davon infrage stellst. Ich hatte den Eindruck, wie gemeint, dass du einen performativen Druck spürst, den Klimawandel zu lösen. Das ziehe ich erstmal nicht zurück. Daraus habe ich abgeleitet, dass du dich an Aktionen oder Bewegung nicht beteiligst, weil du eigentlich deine *Selbst*wirksamkeit nicht spürst und dass mit einem gewissen Frust einhergeht. Ich glaube, dass könnte sogar zum Teil stimmen, aber es beantwortet nicht deine Frage, wie mensch mit Ängsten um den Klimawandel und mit dem Thema eigentlich umgeht (bzw. umgehen soll). Wieder habe ich den Eindruck, dich nicht ernst genommen zu haben.

    AntwortenLöschen
  3. Nun zu deinem Text. Ich würde gerne vermeiden, Strategien vorzuschlagen. Und ich würde mich auch nicht zu diesem Satz „Die Schuld auf Andere abwälzen (die Konzerne, die Reiche(n), die Amis...?)“ nicht äußern, obwohl ich mit dem Gemeinten nicht komplett einverstanden bin. Du schreibst am Ende: „Miteinander reden. Aufeinander achten. Jeden Tag versuchen, die beste Version unserer selbst im Umgang mit der Welt zu sein.“
    Dieses Ende und meine erste Antwort erinnern mich an den Aufsatz „Privates im Politischen oder vom Politischen zum Privaten“ der Feministin Edith Laudowicz. Soweit ich mich erinnere, erzählte sie da über zwei deutsche Feminismen des letzten Jahrhunderts, die lange Zeit im Gegensatz zueinander standen. Zum einen der der sozialistischen Frauen, zum anderen der der autonomen Frauenbewegung (Achtung: Ich habe den Aufsatz nicht vor mir, ich bin mir unsicher, inwiefern das alles so stimmt). Dein Aufruf klingt ein bisschen in mir nach dem zweiten genannten Feminismus nach, meine Antwort klingt mir hingegen wie etwas, was eine Person aus dem ersten hätte sagen können. Das Problem? Die sozialistischen Frauen arbeiteten gemeinsam mit Männern und das spiegelte sich in ihrem politischen Verständnis wider, was oft männerdominiert war. Was ich sagen will: Ich bin selbst seit einiger Zeit Mitglied von Fridays For Future und muss im Rückblick feststellen, dass der Raum, der dieser Art für „Fürsorge“ (das Miteinanderreden, das Aufeinanderachten) gewidmet ist, vielleicht doch unzureichend ist. Also meine Empfehlung, dich einer Bewegung anzuschließen, um mit anderen Menschen auch diese Art von Fürsorge zu praktizieren und zu erleben, ist auch aus meiner Seite nicht konsistent. Und vielleicht stellen solche Bewegungen die Wertegrundpfeiler der Gesellschaft nicht genug infrage und erheben somit womöglich nur begrenzte transformative Ansprüche auf die Welt. Insofern fügt sich diese Analyse perfekt deiner Anmerkung „Die Schuld auf Andere abwälzen (die Konzerne, die Reiche(n), die Amis...?“, da das ideologische Gerüst und die gesellschaftlichen Praktiken, die zum Klimawandel führen (darunter das Patriarchat), im Wesentlichen nicht genug zum Wackeln gebracht werden. Gleichzeitig denke ich, dass die Beseitigung wirtschaftlicher und politischer Probleme auch Öffentlichkeitsarbeit wie Streiks erfordert. Wir können sowohl uns an die eigene Nase fassen und versuchen, eine feministische Änderung der Welt um uns herum durch die alltägliche Praxis des einfachen „Ein guter Mensch sein“ (sich hinterfragen, mit Anderen in Kontakt kommen, gemeinsam mitfühlen, fürsorglich zueinander sein…, es erinnert mich zum Beispiel an deinen Beitrag „Nettigkeit“: Ja, diese Praktiken verändern die Welt) zustande bringen, als auch nach oben treten und protestieren.
    Ich danke dir wieder für diese wundervolle Blogeinträge! Sie bringen mich zum Nachdenken und sie helfen mir, mich zu hinterfragen. Und ich mag so sehr die Art und Weise, wie du schreibst 😊

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Werde ich seltsam?

Die meisten Momente in meinem Leben verbringe ich allein. Ich arbeite, wandere, schlafe und scrolle (überwiegend) allein. Das finde ich auch gut so. Nur manchmal flüstert eine leise fiese Stimme: "Ist das normal?" Es mag mein heteronormatives Weltbild sein, Angst vor Einsamkeit (im Alter) oder eine gesunde Prise Selbstkritik - diese Stimme kann mir ganz schön zusetzen. Worte wie "Eigenbrötler", "Katzenlady", "Weirdo" oder "Dauersingle" schieben sich in mein Bewusstsein. Werde ich komisch, wenn ich zu viel Zeit alleine verbringe? Eigne ich mir nach und nach seltsame Verhaltensweisen an, ohne es zu merken? Werde ich zu dieser Person, die von anderen mit Befremden mit einem gehörigen Sicherheitsabstant beäugt wird? Über die Mütter zu ihren Kindern sagen "nee, mit der spielen wir nicht" oder "Schatz, ich weiß auch nicht, was mit ihr los ist"? Aua.  So gern ich allein bin (es kann gar süchtig machen), fürchte ich doch die...

Freitagskram

Hier mal wieder eine kreuz und quere Ausschüttung meiner Gedanken der letzten Stunden:  - Lasst uns einen Moment innehalten und dankbar sein, was Medizin heute alles bewirken kann. Welch eine Macht! Immer, wenn sich mein Körper auf unerwünschte Weise meldet, wird mir bewusst, wie großartig Medikamente und ihre Entdeckung sind: Wie toll ist es, keine Schmerzen mehr zu haben, den Antrieb zu steigern und die grauen Schleifen, die unsere Hirne manchmal unnötigerweise ziehen, umzulenken? Danke an all die Menschen, die sich unermüdlich dem Ergründen von Regelkreisen, Enzymen und Wirkstoffen gewidmet haben. - Manchmal bereitet es mir eine diebische Freude, mittelalte, manchmal - aber nicht immer - grantige deutschen Mittelstandsbürger:innen irgendwie zu provozieren oder zumindest zu entrüsten. Das tue ich, indem ich zum Beispiel meine Strumpfhose in der Öffentlichkeit aus- oder anziehe (schließlich verschätzt man sich im deutschen Frühjahr und Herbst gerne mal um 5-10 Grad in der Temperat...

Kreise

Das alles kommt mir verdächtig vertraut vor. Moment - hier war ich doch schon mal. Hin und wieder finde ich mich in der gleichen (nicht selben, auch wenn es so scheint) Situation vor, in der ich schon 3299 mal war. Habe ich denn nichts gelernt?  Doch. Aber ich hab es nicht angewendet. Oder bin in eine Falle getappt. Oder es hat nicht geholfen oder zumindest nicht genug. Die weise Umschreibung hierfür: Das Leben ist eine Spirale. Wir kommen immer wieder an ähnlichen Stellen vorbei. Ach guck, das kenne ich doch. Aber bei jeder Umdrehung schrauben wir uns ein kleines Stück höher. Wir stehen nicht wieder an genau derselben Stelle, sondern haben eine dünne Schicht Erfahrung aufgetragen, auf der wir - nicht stabil, aber immerhin - stehen.  Es scheint also, was ich weiß und was ich lerne reicht immer nur bis zur nächsten Kurve. Dann komme ich ja doch wieder am Stopp-Schild vorbei. Stopp - Obacht!, schreit es mir entgegen, hier warst du schon mal. Das ernüchtert. Muss es aber nicht. I...