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Inkonsistenzen

Wer bist du, wenn keiner hinschaut? Wir denken, wir kennen uns selbst. Wer wir sind, was wir mögen, denken, was uns wichtig ist und was uns auf die Palme bringt (eine Leiter? höhö). Mehr als einmal war ich jedoch verblüfft, weil mein Verhalten so gar nicht übereinstimmte mit diesen (angenommenen) Werten. Bin ich gar nicht die, für die ich mich halte? 
Ich könnte jetzt etwas daherlabern von der Komplexität und Vielseitigkeit des Menschen und wie wenig er in Schablonen gepresst werden kann, aber das bringt uns wohl kaum weiter. Denn eigentlich sind wir doch nicht so irre mysteriös, wie wir uns gern einreden. Ich glaube eher, es gibt Seiten, die sehen wir nicht. Einige davon wollen wir nicht sehen. Andere davon sind neu, noch nicht ganz fassbar oder irrational. Darum blenden wir sie aus, weil wir gerne ein kohärentes und rechtfertigbares Selbstbild haben möchten. Schließlich kommt es im Außen ja gar nicht gut an, wenn wir uns unlogisch verhalten oder Widersprüche zeigen. Was, du trägst Lederschuhe? Du bist doch sonst so tierlieb! 
Ich zum Beispiel beschwere mich oft, dass ich so wenig gute und enge Freundschaften habe. Wenn die verbliebenen davon mich aber einladen, fällt es mir schwer, meine eigenen Pläne zurückzustellen und mich auf die der anderen einzulassen. Auch wäre ich gern offen. In der Realität sträube ich mich aber, Neues auszuprobieren, besonders, wenn ich es noch nie gemacht habe. Zum Beispiel Pen & Paper spielen, Pilates, Klettern, in die Therme gehen oder in eine Kunstausstellung. 
Wo das ganz besonders deutlich wird, ist in meinem Medienkonsum: Ich wäre gern aufgeklärt und vielseitig interessiert und würde das humanistische Bildungsideal verfolgen. Stattdessen hänge ich in Kummerkasten-Foren herum, lese auf Zeit Online hauptsächlich die Artikel des Gesellschafts-Ressorts oder die über Beziehungen und scrolle stumpf durch Bilder von schönen Orten. Wikipedia wird nur jedes Lichtjahr mal besucht. Sollte ich mich schämen? Nein. Das Leben darf auch Spaß machen. Weh tue ich mit meinem Komfortscrollen ja niemandem.   
Ich bin, wie ich bin. Das kann als Ausrede verwendet werden, um sich nicht ändern zu müssen. Oder als Akzeptanz dessen, was sich eben nur mit viel Wille und Disziplin ändern lässt. Möchte ich meine Abende damit verbringen, mich online über Quantenmechanik zu informieren? Wenn ich ehrlich bin, nein. Möchte ich berührt werden oder manchmal nur meine Gedanken auf ein weiches Kissen betten, ohne sie vorher einem Zirkeltraining auszusetzen? Ja. Ich muss nicht immer konsistent und vernünftig sein. Es darf mir gut gehen. Wenn ein Kummerkasten-Forum dafür ausreicht - wunderbar. 

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Freitagskram

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Werde ich seltsam?

Die meisten Momente in meinem Leben verbringe ich allein. Ich arbeite, wandere, schlafe und scrolle (überwiegend) allein. Das finde ich auch gut so. Nur manchmal flüstert eine leise fiese Stimme: "Ist das normal?" Es mag mein heteronormatives Weltbild sein, Angst vor Einsamkeit (im Alter) oder eine gesunde Prise Selbstkritik - diese Stimme kann mir ganz schön zusetzen. Worte wie "Eigenbrötler", "Katzenlady", "Weirdo" oder "Dauersingle" schieben sich in mein Bewusstsein. Werde ich komisch, wenn ich zu viel Zeit alleine verbringe? Eigne ich mir nach und nach seltsame Verhaltensweisen an, ohne es zu merken? Werde ich zu dieser Person, die von anderen mit Befremden mit einem gehörigen Sicherheitsabstant beäugt wird? Über die Mütter zu ihren Kindern sagen "nee, mit der spielen wir nicht" oder "Schatz, ich weiß auch nicht, was mit ihr los ist"? Aua.  So gern ich allein bin (es kann gar süchtig machen), fürchte ich doch die...

Kreise

Das alles kommt mir verdächtig vertraut vor. Moment - hier war ich doch schon mal. Hin und wieder finde ich mich in der gleichen (nicht selben, auch wenn es so scheint) Situation vor, in der ich schon 3299 mal war. Habe ich denn nichts gelernt?  Doch. Aber ich hab es nicht angewendet. Oder bin in eine Falle getappt. Oder es hat nicht geholfen oder zumindest nicht genug. Die weise Umschreibung hierfür: Das Leben ist eine Spirale. Wir kommen immer wieder an ähnlichen Stellen vorbei. Ach guck, das kenne ich doch. Aber bei jeder Umdrehung schrauben wir uns ein kleines Stück höher. Wir stehen nicht wieder an genau derselben Stelle, sondern haben eine dünne Schicht Erfahrung aufgetragen, auf der wir - nicht stabil, aber immerhin - stehen.  Es scheint also, was ich weiß und was ich lerne reicht immer nur bis zur nächsten Kurve. Dann komme ich ja doch wieder am Stopp-Schild vorbei. Stopp - Obacht!, schreit es mir entgegen, hier warst du schon mal. Das ernüchtert. Muss es aber nicht. I...