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Das ungute Gefühl in der Magengrube

Reden wir nicht drum rum: Wir alle bauen manchmal Mist. Manchmal passiert es einfach, manchmal lassen wir es darauf ankommen und manchmal führt einfach kein Weg daran vorbei. Der Mistbau ist systemimpliziert. 

Jap, ich bin der Buhmann und das kann ich gar nicht gut aushalten. Es verschafft mir ein ganz ungutes Gefühl in der Magengrube. Klar, keine:r will auf der Seite der moralisch Verwerflichen stehen. Aber das muss ich jetzt aushalten. Lernen, die Dissonanz zwischen dem, wie ich mich sehen will (einwandfrei, unschuldig, mit einer 0 auf dem Sündenkonto) und dem, wie ich wohl wirklich bin (fehlbar, mir selbst widersprechend, inkonsistent, manchmal auch fies). Mhhmhm. Zähneknirschend lerne ich eine Lektion, die eigentlich (gemäß normativer Entwicklungsstufentheorien) vermutlich schon im Kleinkindalter dran gewesen wäre: Der Mensch ist weder gut noch schlecht. Er schwummert immer irgendwo zwischen diesen beiden Polen herum. Mal näher am einen (wenn wir helfen, retten, kümmern, danken), mal näher am anderen Pol (wenn wir streiten, beleidigen, achtlos mit unserer Umwelt umgehen, kaputt machen - auch uns selbst). Ambivalenz. 

Keine Rechtfertigung oder Erklärung tilgt, dass ich schuld bin. Nicht verantwortlich (gut, auch, aber darum geht es hier nicht), der nette kleine und viel gewaltfreiere Bruder von Schuld, sondern schuld. "Es ging nicht anders", wendet die Stimme des Egos in mir ein. Das spielt aber keine Rolle dafür, schuld bin ich trotzdem und zwar mit Haut und Haar. Mhhmmm. Den Hut muss ich mir aufziehen und damit schläft es sich nicht nur eher schlecht, sondern ich wusele auch den ganzen Tag mit einer quälenden Anspannung herum, ohne mit einer meiner 438 repetitiven und meist recht unnützen Tätigkeiten mein Gewissen beruhigen zu können. Mit 26 lerne ich also, dass ich kein Engel bin. Nun gut. Ich habe ja noch ein paar Jahre, um mich mit der Buhfrau in mir zu versöhnen. Es wäre doch schade, so nah aneinander im Streit zu leben. 

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