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Loslassen

"Ich hab' mir doch solche Mühe gegeben. Warum klappt es nicht?" 
Deshalb. Weil wir es so unbedingt wollten und alles daran gesetzt haben. Dann sagt das Schicksal: Nein. 

Loslassen. Manchmal klappt es, wenn wir es nicht (mehr) so sehr wollen. Kann ich etwas nicht wollen? Ich kann mich jedenfalls davon unabhängiger machen, ob ich es erreiche oder nicht. Dann spielt es gar keine so große Rolle, ob ich den Gipfel erreiche oder die Bewerbung abschicke. Wobei das bessere Beispiel eigentlich ist, die Stelle zu bekommen. Denn das kann ich versuchen, habe es aber nur begrenzt in der Hand. Folglich ist es ein sehr wackeliges Fundament für mein Wohlbefinden oder Selbstwertgefühl. Die Wackeligkeit muss ich entweder aushalten oder auf ein festeres Fundament setzen. Kleinere oder sicherere Ziele. Ein Mal am Tag vor die Tür gehen. Mit mindestens einem Menschen pro Tag reden. Erreichbare Ziele. Kennen wir alle. Greifen dann aber doch bald wieder (viel zu) weit nach oben. 

 


Loszulassen ist ja nicht das Gleiche wie Aufgeben. Beim Loslassen lasse ich das Streben nach dem Ziel nicht komplett sein, sondern lockere nur das Band, das mich ans Ziel bindet. Meine Bemühungen sind nicht mehr zwanghaft auf den Erfolg gerichtet. Es gibt nicht nur Schwarz - Ziel verfehlt - oder Weiß - Ziel erreicht. Sondern ein ganzes Spektrum dazwischen. Dunkelgrau: Habe ich versucht. Hellgrau: Fast, beim nächsten Mal klappt's. Dunkelschwarz: Adieu, Ziel. Es ist mir gar nicht mehr wichtig. 

 Außerhalb des Dunkelschwarz kann und werde ich das Ziel vielleicht immer noch erreichen wollen. Das ist dann immer wieder eine Übung darin, mich nicht für etwas zu versklaven. Meine Identität darf aus vielen Teilen bestehen, und nur einer davon hat mit dem Ziel zu tun. Daneben bin ich noch ein Mensch mit Interessen, Freundschaften, Eigenarten, Aufgaben und einer Geschichte voller Erfahrungen, die ganz woanders angesiedelt sind wie das Ziel. Ich mag anstreben, bewusster zu konsumieren und weniger Ressourcen zu verbrauchen. Aber ich bin nicht nur Konsumverzicht, sondern auch eine verlässliche Freundin, eine Wärmflaschenzelebrierende und eine Stimme in einer demokratischen Gesellschaft. Ich bin die Bücher, die ich gelesen habe, und die Tagebucheinträge, die ich geschrieben habe. Die Strecken, die ich spaziert bin und das Gegrübel, das ich währenddessen im Oberstübchen unterhalten habe. Ich bin Vieles. Nicht Alles, nicht vollkommen, oft nicht mal mittelmäßig. Es kommt aber auch nicht immer aufs Gelingen an. Versuchen. Nicht schaffen. Loslassen. Nächstes Ziel. 

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