Eine Chance auf einen Ego-Boost geht verloren, wenn ich Ziel X nicht erreiche (z.B., kein Paper veröffentliche). Aber ebenfalls auch eine Chance auf eine Ego-Bruchlandung (und sind wir mal ehrlich, diese Chance ist, betrachten wir die nüchternen Wahrscheinlichkeiten, deutlich höher). Denn etwas nicht zu schaffen nagt ja vor allem dann am Selbstwertgefühl, wenn man von sich erwartet, es zu schaffen. Auch hier kommt also die Freiheit zum Tragen, auf die ich im vorherigen Beitrag ein Loblied sang. Frei sein davon, X schaffen zu müssen, lässt mir mehr Freiheit, alles Andere zu sein, was mich sonst noch so ausmacht (z.B. müde). Ich kann X immer noch versuchen. Aber ich muss es nicht. Nach dem Motto: Alles kann, nix muss, macht dann alles gleich viel mehr Freude. Wenn ich kein veröffentlichungsreifes Meisterstück schreiben muss, merke ich, dass ich schreiben will. Aber vielleicht eben nur Tagebuch. Welch eine Entlastung.
Ja, es ist heiß. Was mich aber viel mehr beunruhigt als die momentane Hitze ist, wofür sie steht. Wir haben es oft gehört in den letzten Tagen: Das sind Auswüchse des Klimawandels. Das ist erst der Anfang. Wer nicht vorher schon Angst vor der Zukunft hatte, dürfte sie jetzt haben. Wie damit umgehen? Klar, ich kann im eigenen Nahfeld etwas anstoßen oder mich einer Bewegung anschließen. Urban Gardening betreiben, Klimastreiks organisieren, für die Begrünung von Asphaltflächen im Stadtrat plädieren. Die begrenzte Wirkung ist mir dabei jedoch immer klar. Ich kann gut nach mir selbst schauen und mir eine so erfreuliche Zeit wie möglich auf dieser Erde machen. Aber das führt, bei mir zumindest, zu noch mehr Schuldgefühlen: Ich lebe auf dicker Sohle, verbrauche Ressourcen und Andere leiden. Ja, auch ich will ein Gutmensch sein (wenn das denn möglich ist). Vom Wählen fange ich nicht an, das sollte selbstverständlich sein. Also was dann? All die Schreckensberichte und Sze...
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