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Ja

Immer wieder höre ich den Rat an Andere, zu lernen, Nein zu sagen. Der Standardmodus scheint das "Ja" zu sein, das Nein hingegen eine seltene Spezies. Bei mir ist es umgekehrt. Ich sage immer erstmal Nein. Vorsichtshalber. Um mich nicht auf etwas potenziell Forderndes oder Gefährliches einzulassen (gefährlich soll hier in einem sehr relativen Sinne gemeint sein - wie z.B. die Gefahr, die Kontrolle zu verlieren). Das Ja kommt mir oft verbindlicher vor, als das Angebot gemeint ist. Ein gemeinsamer Kneipenbesuch wird oft von der anderen Seite abgesagt und selbst wenn er stattfindet, geht er meist nicht so lang und erfordert so viel Hirnschmalz, Spritzigkeit und Zugewandtheit, wie ich mir einbilde. Mir kommt es vor, als setze ich mit dem Ja eine Unterschrift unter einen Vertrag, dessen AGB ich nicht gelesen habe. 

Dabei kann ein Ja Möglichkeiten eröffnen. Das Nein schließt sie von vornherein aus. Ein Ja kann eine beschwingenden Schwips, ein inspirierendes Gespräch, eine spaßige Aktivität oder eine lehrreiche Lektion anregen. Vor allem aber öffnet es die Tür für das Unbekannte, Unerwartete. Genau das ist es ja auch, was mich ängstigt. Kontrollverlust. Aus einer unangenehmen Situation nicht mehr herauskommen. So, als ob ich sonst nie unangenehme Situationen hätte und nicht jedes Mal auch irgendwie wieder rauskommen würde. Ich muss ja nicht gleich eine fremde Poolparty crashen und, in einem Schwimmreif lungernd, Joints mit zwielichtigen Gestalten rauchen. Es reicht, Ja zu einem Bier mit Freunden zu sagen, auch wenn ich für den Tag geplant hatte, nicht zu trinken. Ja zum Kinofilm, über den ich mich nicht en detail informiert habe. Ja zu einem Telefonat, auch wenn mich Telefonieren meistens nervös macht. Ja zu einer Aktivität, die ich noch nie oder lange nicht mehr gemacht habe und demzufolge auch keine Übung darin habe. Tischtennis spielen. Eine Kunstausstellung oder ein Konzert besuchen. Gemeinsam mit Anderen singen. Ich könnte die Liste noch ein ganzes Stück fortsetzen. Was zeigt, dass 1. es noch Einiges zu entdecken gibt und 2. etwas in mir anscheinend Neugier auf den Bereich außerhalb der Komfortzone hat. Also los. Mein Aktionsradius möchte ausgedehnt werden. Dazu braucht es manchmal nur ein Ja. 



 

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