Direkt zum Hauptbereich

Weich bleiben

 "Nimm's nicht so schwer", "Reg dich nicht so auf", "Bleib gelassen": Nein. Ich will kein Kruppstahl sein. Ich will berührbar bleiben. Wenn "take it easy" bedeutet, dass mir alles egal ist, dann take ich es lieber uneasy. Uneasy macht Mühe und ist manchmal schwer auszuhalten, macht das Leben aber auch echter, finde ich. 

Nach einem Zuhause und Geborgenheit zu suchen, ist manchmal bitter, wenn es sich nicht finden lässt. Aber auf der Suche entdeckt man Vieles. Das will ich nicht missen. Lieber Weinen und Lachen als Existieren und sonst nix. Lieber läuft das Leben entlang einer Sinuskurve als entlang einer horizontalen Linie. Auch wenn ich manchmal kurz vor der Kapitulation bin. Bei einem Rechner, der 45878 mal abstürzt, erwägt man schließlich auch, sich ein neueres Modell zuzulegen. Wie oft ich schon gegen die immer gleichen Wände gerannt bin, kann ich auch nicht mehr zählen. Der Kopf ist aber noch dran, und das zählt. Also ein weiteres Mal Anlauf nehmen. 

Außerdem gibt's auf der Strecke eine Menge, was Freude macht. Hier meine persönliche Hitliste:

- Buntes Herbstlaub
- kitschig-pastellfarbene Sonnenuntergänge
- Morgennebel und Nachmittagssonne
- Falläpfel
- Indie- und Folksongs, die nach Holzboden klingen
- Holzboden
- Kräutertee 
- Wärmflasche(n)
- Serien schauen (keine Nachrichten, das macht grade nur noch ratlos, finde ich)
- Telefonate mit Freund:innen
- Rauch-/Kamin- und generell Holzgeruch

Lasst's euch gut gehen. Das Leben darf auch mal großartig sein. 



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Rahmen unserer Möglichkeiten

Ja, es ist heiß. Was mich aber viel mehr beunruhigt als die momentane Hitze ist, wofür sie steht. Wir haben es oft gehört in den letzten Tagen: Das sind Auswüchse des Klimawandels. Das ist erst der Anfang. Wer nicht vorher schon Angst vor der Zukunft hatte, dürfte sie jetzt haben. Wie damit umgehen?  Klar, ich kann im eigenen Nahfeld etwas anstoßen oder mich einer Bewegung anschließen. Urban Gardening betreiben, Klimastreiks organisieren, für die Begrünung von Asphaltflächen im Stadtrat plädieren. Die begrenzte Wirkung ist mir dabei jedoch immer klar.  Ich kann gut nach mir selbst schauen und mir eine so erfreuliche Zeit wie möglich auf dieser Erde machen. Aber das führt, bei mir zumindest, zu noch mehr Schuldgefühlen: Ich lebe auf dicker Sohle, verbrauche Ressourcen und Andere leiden. Ja, auch ich will ein Gutmensch sein (wenn das denn möglich ist).  Vom Wählen fange ich nicht an, das sollte selbstverständlich sein.  Also was dann? All die Schreckensberichte und Sze...

Wer entscheidet?

Überlegungen, wie ich meinen Feierabend gestalte. Was ich nicht denke: "Oh, eine reizvoll klingende Veranstaltung. Da gehe ich mal hin." Was ich stattdessen denke: "Oh, da könnte ich mich blamieren/niemanden kennen/keinen Spaß haben/den Ort nicht finden/zu müde sein/es nicht hinkriegen/..... Besser nicht."  Wer hat hier die Entscheidung getroffen? Ich oder die Angst?   Wie oft treffe ich Entscheidungen aus Angst? Mit dem Ziel, etwas Unangenehmes zu vermeiden anstatt etwas Erstrebenswertes zu erreichen. Nicht getrieben von Neugier, Lust oder Bedürfnis nach Wachstum, sondern aus einer Sorge heraus, dass die Entscheidung ungemütliche bis schmerzhafte oder schlimme Auswirkungen hat.  Dabei geht es mir hier noch nicht mal darum, wie realistisch diese Auswirkungen sind. Sondern darum, was meinen Weg bestimmt. Wer auf dem Fahrersitz sitzt. Wieviel Raum räume ich eigentlich diesem ängstlichen Teil meines Ichs ein, dass es an entscheidenden Stellen die Führung übernimmt? So ...

Septemberbeobachtungen

 Der September hat begonnen - da erzähle ich euch nix Neues - und mit ihm habe ich ein paar auch nicht ganz neue Beobachtungen gemacht:  - Die Septemberdepression kündigt sich an. Die hat weniger mit dem Ende des Sommers selbst als mit dem Ende der leichten, vermeintlich sorglosen Zeit und den Ferien (für die, die sie haben) zu tun. Das Leben und seine Anforderungen scheinen auf einmal wieder ernster und drängender.  - Gesprächsfetzen: "Keinen Bock habe ich ja schon lange nicht mehr."   - Verletzlichkeit einzufordern ist leichter, als sie selbst zuzulassen. Wenn Veretzlichkeit zu zeigen uns bei Anderen nötig und vielleicht auch einfach erscheint, so hat das vielleicht damit zu tun, dass 1. wir nicht das ganze Bild der dahinterliegenden Prozesse und Ängste sehen und 2. die betreffende Info oder das Gefühl, das gezeigt werden soll, für uns leichter und unproblematischer, unbesetzter ist als für die Person selbst.  - Empfindungen von Schönheit sind sehr subjek...